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Kampf gegen den Gau in Fukushima


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Kampf gegen den Gau in Fukushima

Unread postby Thomas » Wed 16. Mar 2011, 15:29

In der Atomanlage von Fukushima hat sich die Notbesatzung nach einem Rückzug wieder an die Katastrophen-Reaktoren herangewagt. Die Männer versuchen seit Tagen, den drohenden Super-GAU zu verhindern.

Feuer und zeitweise stark erhöhte Strahlung hatten die etwa 50 verbliebenen Arbeiter am Mittwoch gezwungen, ihren Einsatz zur Kühlung der Reaktoren zu unterbrechen.

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Japans Kaiser rief sein Volk erstmals seit dem Erdbeben vom Freitag zum Durchhalten auf. In Deutschland ist nach der Kehrtwende in der Atompolitik ein juristischer Streit entbrannt.

Kaiser Akihito sprach den Japanern in einer seiner seltenen Ansprachen Mut zu. «Ich hoffe aufrichtig, dass die Menschen diese schreckliche Zeit überstehen werden, indem sie sich gegenseitig helfen», sagte der 77-Jährige in einer Videobotschaft, aus der die Nachrichtenagentur Kyodo am Mittwoch zitierte. Zudem übermittelte er den Opfern des Erdbebens und des Tsunamis sein Beileid.

Die Lage im Katastrophen-Atomkraftwerk eskalierte weiter. Erneut brach ein Feuer aus, zudem stieg aus einem Reaktor Rauch auf. Ein weiterer Reaktorbehälter soll beschädigt sein. Über das Ausmaß der Strahlung gab es widersprüchliche Angaben. Der Regierungssprecher Yukio Edano gestand am Mittwochabend (Ortszeit) ein, irrtümlich ungenaue Informationen verlesen zu haben. Er sprach zunächst von einer Akutbelastung von 1000 Millisievert pro Stunde, die schnell wieder abgesunken sei. Die Agentur Kyodo berichtete später von 10 Millisievert unmittelbar auf dem Kraftwerksgelände. Beide Strahlenwerte sind stark erhöht, aber auf kurze Dauer nicht lebensgefährlich.

Ein Löscheinsatz war in der Kraftwerksanlage Fukushima Eins zunächst nahezu unmöglich, der Brand schwelte für Stunden weiter. Nur noch zwei der vier akut betroffenen Reaktorblöcke könnten weiter mit Meerwasser gekühlt werden, hieß es. Dies ist notwendig, um eine Kernschmelze zu verhindern.

Im Fernsehsender NHK sagte ein Sprecher der Atomaufsicht, die AKW-Arbeiter könnten nicht mehr in den Kontrollraum. Sie seien in sicheren Räumen untergebracht. Später kehrten die Arbeiter zurück. Auch in den abgeschalteten Fukushima-Blöcken 5 und 6 gab es zuletzt Probleme.

Die Umweltschutz-Organisation Greenpeace kritisierte die japanische Informationspolitik. Nur der Betreiber Tepco messe die Strahlenwerte, sagte der Atomexperte Mathias Edler in Hamburg der Nachrichtenagentur dpa. Unabhängige Informationen gebe es weiterhin nicht. Nach Einschätzung von Experten blieben bei freiliegenden Brennstäben noch etwa 17 Stunden bis zur kompletten Kernschmelze.

Reaktor 4 fing erneut Feuer. Auch im Reaktor 3, aus dem weißer Rauch aufstieg, sah es nach einem Brand aus. Zudem wurde in Block 3 womöglich die wichtige innere Reaktorhülle beschädigt, sagte Regierungssprecher Edano. Das Fernsehen zeigte, wie unaufhörlich dichte Rauchschwaden von der Anlage aufstiegen. Helikopter konnten wegen der Strahlen-Gefahr nicht zum Löschen eingesetzt werden.

Nach Vorhersagen der japanischen Wetterbehörde sollte der Wind in den kommenden Stunden Richtung Osten und somit hinaus auf das Meer wehen. Im Großraum Tokio, 260 Kilometer südlich von Fukushima gelegen, wächst die Sorge vor einer radioaktiven Wolke.

Japan wandte sich erneut auch an die USA. Unterstützung der US-Truppen könnte nötig sein, sagte Edano. Die Agentur Kyodo meldete zudem, dass die Regierung auch dem Einsatz ausländischer Ärzte für die Erdbebenopfer zustimme. Südkorea will einen Teil seiner Reserven des Halbmetalls Bor nach Japan schicken. Die Chemikalie absorbiert Neutronen, verlangsamt die Kernspaltung und soll die Reaktoren so zusätzlich abkühlen.

Auch nach den neuen Vorfällen gebe es keine Pläne, die Evakuierungszone rund um das Atomkraftwerk auszuweiten, sagte Edano. Aktuell gilt ein 20-Kilometer-Radius. Zudem sollen Bewohner im Umkreis von 30 Kilometern in geschlossenen Räumen bleiben. Es gebe bislang keine Gesundheitsgefahr für die Menschen im erweiterten Umkreis, hieß es.

In der vom Tsunami überschwemmten Küstenregion herrschten weiter apokalyptische Zustände. Tausende Menschen mussten in den Trümmern ihrer einstigen Siedlungen ausharren. Vielerorts würden die Lebensmittel knapp, berichteten Augenzeugen. Es fehlte an Strom und Heizwärme. In der Nacht waren im Nordosten des Landes die Temperaturen deutlich unter null Grad gefallen. Es schneite.

Die offizielle Zahl der Toten nach dem schweren Erdbeben und dem Tsunami stieg auf 4164. Das berichtete der TV-Sender NHK am Mittwochabend. Die Zahl der Vermissten geht nach wie vor in die Tausende - sie liege bei mindestens 12 000, hieß es. Hunderttausende leben seit dem schweren Beben in Notunterkünften. Weitere Nachbeben erschütterten das Land.

Die Regierung rief die Bevölkerung auf, keine Hamsterkäufe mehr an Tankstellen zu machen und Energie zu sparen. Die Menschen sollten ihren Gas- und Treibstoffverbrauch einschränken, sagte Edano. Derzeit werde alles versucht, um dringend benötigtes Gas und Kraftstoffe in die Katastrophengebiete zu bringen. (Quelle: Tokio (dpa/lby))
Mfg Thomas
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