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EADS gibt sich bei Tankfliegern geschlagen

New postby Thomas » Fri 4. Mar 2011, 21:36

Der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS gibt sich beim «Jahrhundert-Auftrag» der US Air Force geschlagen.

«Wir haben uns entschieden, keinen Protest einzulegen», sagte der Vorstand von EADS Nordamerika, Ralph Crosby, am Freitag in Washington. Damit steht der Lieferung von 179 Tankflugzeugen durch den Erzrivalen Boeing an die amerikanische Luftwaffe nun nichts mehr im Wege.

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Der Entscheidung von EADS vorausgegangen war ein Treffen mit Vertretern des Pentagon. Darin hatte das US-Verteidigungsministerium seine Gründe dargelegt, warum Boeing den mit ursprünglich 35 Milliarden Dollar veranschlagten Auftrag gewonnen hat. «Boeings Angebot lag preislich unter unserem», sagte Crosby. «Es gibt keine Basis für einen Protest.»

Das US-Verteidigungsministerium hatte vor einer Woche verkündet, dass Boeing den Zuschlag erhält. Damit hatte sich das kleinere und ältere Flugzeug gegen die größere und modernere Airbus-Maschine durchgesetzt. Der stellvertretende Verteidigungsminister William Lynn hatte insbesondere die günstigeren Betriebs- und Wartungskosten als Grund für die Entscheidung angeführt.

Allerdings hatte erst das Auftauchen von EADS den Rivalen Boeing in einen Preiskampf gezwungen. Ursprünglich sollte der Auftrag ohne Ausschreibung an den US-Hersteller gehen. Gegenüber dem Angebot aus dem Jahr 2002 habe Boeing nun 16 Milliarden Dollar weniger verlangt, rechnete EADS vor. «Wir sind stolz darauf, dass unsere Beteiligung an der Ausschreibung dem Steuerzahler viel Geld spart», sagte EADS-Vorstand Crosby.

Manche Analysten bezweifeln mittlerweile, dass Boeing überhaupt etwas an den Tankflugzeugen verdient. Dennoch gilt Boeing als Sieger: Denn EADS ist der wichtige US-Rüstungsmarkt nun weiterhin in großen Teilen versperrt. «Wir werden unsere Gespräche mit dem Verteidigungsministerium fortsetzen», sagte Sean O'Keefe, Chef von EADS Nordamerika. «Wir haben die Rückmeldung bekommen, dass unser Angebot gut war und alle Kriterien erfüllt hat.»

Die Europäer rechnen sich Chancen auf zukünftige Aufträge aus. Bislang ist EADS vor allem mit Hubschraubern ihrer Tochter Eurocopter mit den Vereinigten Staaten im Geschäft. Hätte der Konzern den «Jahrhundert-Auftrag» gewonnen, hätte er eigens ein Werk in Alabama errichtet, wo auch Airbus-Frachtmaschinen gebaut werden sollten. Damit wäre EADS tief ins Gebiet des Erzrivalen vorgedrungen.

Es war bereits der dritte Anlauf zur Vergabe des Megageschäfts. Einmal hatte Boeing gewonnen, einmal EADS. Nach Fehlern bei der Auftragsvergabe schrieb die Regierung den Auftrag immer wieder neu aus. Auch dieses Mal lief nicht alles glatt: Durch eine Verwechslung landeten die Angebote der Gegenseite bei EADS und Boeing. Dennoch hatte Vize-Verteidigungsminister Lynn das Geschäft als wasserdicht eingestuft.

Boeings Tankflieger basiert auf der in die Jahre gekommenen Verkehrsmaschine 767 und existiert bis dato erst auf dem Papier; EADS hatte einen bereits bei anderen Luftwaffen eingesetzten Tankflieger auf Basis des Passagierjets Airbus A330 ins Rennen geschickt. «Wir gratulieren unserem Konkurrenten», sagte EADS-Manager Crosby. «Sollten sie aber nicht liefern können, stehen wir bereit, um mit einem erprobten Tankflugzeug einzuspringen.»

Die aktuell von der Air Force geflogenen Tankflugzeuge vom Typ KC-135 hatte noch Präsident Dwight D. Eisenhower kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs angeschafft. Sie sind in allen Krisenherden der Welt im Einsatz und betanken Kampfflugzeuge in der Luft. Die Air Force muss die Oldtimer aber nach und nach aus dem Verkehr ziehen und ist deshalb auf die neuen Tankflugzeuge dringend angewiesen. Die ersten 18 Stück soll Boeing bis 2017 liefern. (Quelle: Washington (dpa/lby))
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